Und sonst so? - Ein erster Rückblick nach 14 Wochen auf See

Und sonst so?

Ein erster Rückblick. Was läuft gut? Wo klemmt`s noch? Nach 14 Wochen (Peter) und 9 Wochen an Bord (Judith) wollen wir kurz innehalten und überlegen was bisher gut läuft und wo es noch hapert.


Energiebilanz - direkt sichtbar

Auf einem Segelboot autark zu leben und sich über weite Distanzen ohne fossile Brennstoffe fortzubewegen, das ist die Idee und dafür ist die FantaSea ausgestattet. Die Solarpaneelen waren schon an Bord, als wir die FantaSea erwarben und den Windgenerator baute Peter noch vor der Abreise ein.

Die Solarpaneelen optimal zur Sonne ausrichten, dafür sorgt Peter gern und wird nicht müde im hoch, runter oder doch ein kleines bisschen schräger stellen.  Optimale Leistung ist dann 200 Watt.

Der Windgenerator bringt bei 15 Knoten Wind optimale Leistung (350 Watt) und macht die Batterien proppenvoll.

Es ist ein Ausbalancieren von Energiegewinnung und Verbrauchergeräten. Unsere größten Verbraucher sind die Navigationsgeräte wie Plotter, AIS, der elektrische Autopilot, das Funkgerät, unser Kühlschrank, das Licht an Bord und das Laden von Handy und Laptop. Auf den elektrischen Autopiloten verzichten wir weitgehend und verwenden stattdessen die Windsteueranlage.

Es ist cool, den direkten Zusammenhang von unserem Verhalten und Verbrauch zu sehen.  Wir sehen was da ist und sehen es auch direkt verschwinden, wenn wir z.B. alle Geräte dranhängen haben. Glücklicherweise reichen uns meist Energie aus Wind und Sonne und so mussten wir bislang selten Landstrom im Hafen legen.

Es gibt Segler*innen, die mit all dem gewohnten Komfort wie zu Hause (Fernsehen, Thermomix, Kühltruhe, Mikrowelle…) unterwegs sein möchten und dementsprechend ihre Energieversorgung anpassen und evtl. mit einem zusätzlichen Dieselgenerator aufrüsten. Das war für uns nie ein Thema und uns fehlt es an gar nichts. 

Wasser - mal süß, mal salzig

In den Häfen nehmen wir Wasser in den Tank (500 L) auf, und auf den großen Überfahrten produzieren wir mit der Entsalzungsanlage selbst das Frischwasser. Da die Entsalzungsanlage einen sehr hohen Strombedarf hat, müssen wir leider mit der Hauptmaschine Strom produzieren, das machen wir also, wenn wir windbedingt mal mit der Maschine fahren müssen. Auch hier lernten wir sparsam mit der Ressource Wasser umzugehen und zum Duschen reichen 5-10 Liter Wasser – zumal, wenn es kaltes Wasser ist:). In der Kombüse haben wir einen Wasseranschluss mit Salzwasser zum Vorwaschen, was auch beim Wassersparen hilft.

Und wie lecker plötzlich Mineralwasser mit „Sprutzel“ ist, das erleben wir, wenn wir in eine Bar gehen und es wie Champagner genießen. Mhhhh…

Raus aus der Daunenjacke, rein in die Badehose

In den ersten Wochen hat Peter in Norddeutschland, im englischen Kanal und bis in die Bretagne den nasskalten Sommer mit abwechselnd Plodderregen und Nieselregen erlebt. Regen- und Daunenjacke waren immer dabei. Seit Nordspanien scheint die Sonne, die uns tagsüber Barfußwetter mit T-shirt und kurzer Hose beschert und abends mal Pulli oder Jacke. Auf See (vor allem bei den Überfahrten) sieht es anders aus, da pfeift der Wind und vor allem nachts trugen wir da Vollmontur mit Skiunterwäsche und Ölzeug. Aber je weiter wir uns Richtung Süden bewegen, wird sich auch das ändern. Yeahh – wir nähern uns der Barfußroute.

Langeweile? Nicht die Spur

Wenn wir von unserer gemeinsamen Reise sprachen, hatte Peter eher das große, weite Blau vor Augen, ich mehr die grünen Inseln und Berge. Diese zwei „Bilder“ bringen wir nun wunderbar unter einen Hut. Das Segeln geht leichter von der Hand, es macht Freude den Wind um die Nase zu haben, mit der FantaSea bei sechs bis sieben Knoten durchs Wasser zu ziehen und auch in den An- und Ablegemanövern sind wir mittlerweile routiniert.

Insgesamt sind wir recht gemütlich unterwegs, lassen uns Zeit. Wenn uns ein Hafen oder Ankerplatz gefällt, bleiben wir auch mal länger, schauen uns die Umgebung an, wandern, schnorcheln, paddeln oder trödeln auch einfach auf dem Boot rum. Es ist unglaublich, wie die Tage schnell dahingehen. So ein Boot ist ja ein kleiner Haushalt und so halten uns auch die alltäglichen Dinge auf Trab: Deck schrubben, etwas reparieren (da gibt es immer etwas:), Brot backen, einkaufen, kochen….

Musikhören

Sozusagen als Nebeneffekt dieser gemeinsamen Reise entdecken wir das Musikhören neu. Zu Hause war der Alltag (vor allem in der Schule) schon so mit Geräuschen gefüllt, dass Musikhören meist zu kurz kam. CDs, die bislang tief unten im Schrank vor sich hin staubten, hören wir an Bord rauf und runter. Und wie das so ist mit einer CD die mal in der Anlage liegt – die läuft dann auch dreimal hintereinander.

In die Rubrik Musik fallen auch unsere Versuche Ukulele zu lernen. Wir haben uns schon von „Hänschen klein“ zu „Lady in Black“ durchgearbeitet, aber es ist noch viel Luft nach oben. Wir haben aber auch noch eine Weile Zeit :).

Sozialreaktor Segelboot

In irgendeinem Artikel einer Segelzeitschrift bezeichnete die Autorin das Segelboot als Sozialreaktor, was mir sehr passend erscheint. In unserem „Sozialreaktor“ kocht bislang nichts über und ich vermute, Gründe dafür sind, dass wir zum einen beide gelernt haben, in stressigen Situationen kühlen Kopf zu bewahren und uns nicht gegenseitig anraunzen. Zum anderen können wir auch sehr gut etwas mit uns allein anfangen (rumbasteln, reparieren, lesen, Yoga machen) und haben ein ähnliches Bedürfnis nach Bewegung, wenn es um Unternehmungen und Aktivitäten geht. Mal schauen, ob das so bleibt. Wir sind zuversichtlich :)

Und wo klemmt´s noch?

Die langen mehrtägigen Überfahrten verleiten uns nicht zu Jubelgeschrei, sondern wir empfinden das beide als anstrengend. Zu Hause vermutete ich, dass die eventuelle Langeweile und das viele Wasser drumherum das Schwierige sein werden. Machte mir Gedanken zu Spielen, Handarbeiten und Büchern. Vollkommen danebengelegen! In der Realität macht mir (uns) das ewige Geschaukel zu schaffen. Bisher hatten wir rollende Wellen von der Seite, die einem schon mal den Magen verdrehen und die Füße wegreißen können.

Keinen Moment darf man unaufmerksam sein, sich immer richtig gut festhalten, jede Aktion, jeden Schritt planen, denn jede Unaufmerksamkeit kann zu einem Sturz mit bestenfalls blauen Flecken führen. Ich landete zuletzt in der Kombüse auf dem Boden und holte mir ´ne fette Beule und auch Peter fegte es in Sekundenschnelle von seinem Platz am Kartentisch auf die Bodenbretter. Für die nächste große Überfahrt auf die Kap Verden hoffen wir auf gnädige Wellen und wohlgesonnenen Wind, damit auch wir mehr von Genuss als von Herausforderung sprechen können, wenn wir dort drüben ankommen. We will see.

Anglerglück lässt auf sich warten

Peter ist unermüdlich, wenn es darum geht die Leine hinten auszuwerfen, experimentiert mit verschiedenen Ködern, aber bislang war ihm das Anglerglück leider noch nicht beschieden. Zitronenspaghetti schmecken aber auch sehr lecker :).

Alles in Allem

Wir fühlen uns reich beschenkt, wenn wir morgens aus der Koje krabbeln und den Blick auf das türkisblaue Meer richten. Reich beschenkt, miteinander hier sein zu dürfen.

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