Etappe 02 - Cuxhaven nach Dunkerque
Cuxhaven nach Dunkerque
19.07.-26.07.2021
Karibiktörn 2021 - Etappe 02
Die neue Crew trifft in Cuxhaven ein. Meine Tochter Selina und Udo werden mich weiter in die Nordsee begleiten.
Der erste Segeltag hat es schon gleich in sich. 4-5 Bft. und 2 m Welle gegen an. Die ersten Mägen wurden geleert. Helgoland war nicht zu erreichen. Nachdem wir die Insel Scharhörn passiert hatten drehten wir ab mit Kurs auf die Insel Wangerooge. Die Ansteuerung erwies sich als sehr knifflig und ist nur bei Hochwasser möglich. Ein schmaler Priel ist mit roten Tonnen markiert und neben uns ist es so flach, dass Grundseen entstehen! Laut Hafenmeister muss man sich 10 m vom Tonnenstrich halten, denn nur so ist eine gefahrlose Ansteuerung möglich, ohne auf eine Sandbank zu laufen. Um 19:30 können wir endlich die Leinen im Hafen festmachen. Bei Niedrigwasser hat der Hafen nur 1,2m und unser Schiff hat 1,8 m Tiefgang. Hmmm. Der Hafenmeister sieht das ganz entspannt und wir stecken bei Ebbe halt einen halben Meter im Schlick. Das ist segeln im Wattenmeer!
Wir verbringen einen Tag in Wangerooge und erkunden die Insel. Abends erhalten wir Besuch vom Zoll. Nach der Frage woher und wohin wollte der Zollbeamte noch den Kaufvertrag vom Schiff sehen. Alles in Ordnung und er wünscht uns eine gute Reise.
Selina geht in Wangerooge von Bord. Wir treffen sie wieder in Amsterdam.
Am nächsten Tag geht unsere Reise weiter Richtung Borkum. Nach 10 Stunden und 60 sm im Kielwasser erreichen wir Borkum.
Bei Sonnenschein und achterlichem Wind verlassen wir Deutschland und segeln zur westfriesischen Insel Vlieland in den Niederlanden. Im Vorhafen von Vlieland liegen sehr viele traditionelle Plattbodenschiffe und wir dürfen uns als 5. Schiff im Päckchen an einem Plattbodenschiff festmachen.
Auf Vlieland machen wir einen Tag „Urlaub“ und genießen den wunderschönen kilometerlangen Sandstrand.
Von Vlieland segeln wir weiter nach Ijmuiden, gehen am nächsten Tag durch die Schleuse und fahren über den Nordseekanal ins Zentrum von Amsterdam. Auf eigenem Kiel in eine Großstadt einzulaufen ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Im sehr schönen Sixhaven gegenüber vom Bahnhof bekommen wir einen Liegeplatz. Selina sowie Freunde aus Heilbronn erwarten uns schon.
Die Wetterprognose für die kommende Woche sieht nicht gut aus. Für den englischen Kanal werden bis zu 35 kn Wind (7 Bft.) aus SW vorhergesagt – also genau von vorne. Wir beschließen am Abend noch auszulaufen und die Nacht durch nach Frankreich zu segeln, bevor das Tiefdruckgebiet kommt.
Wir verabschieden uns von unseren Freunden sowie von meiner Tochter. Jetzt werde ich sie für lange Zeit nicht mehr sehen….
Unser erster Nachttörn beginnt bei ruhiger See. Kaum Wind und wir motoren zunächst bei mitlaufendem Strom mit über 7 kn über Grund Richtung Süden. Bei Rotterdam ist nachts reger Betrieb. Ein- und auslaufende Frachter sowie unzählige Fischer sind mit uns unterwegs.
Langsam wird es hell, doch die aufgehende Sonne blickt nur kurz durch tiefhängende Wolken und die Nordsee liegt bleiern vor uns. Grau in grau. Hin und wieder schaut ein Seelöwe aus dem Wasser zu uns herüber. Die belgische Küste lassen wir an Backbord liegen und laufen gegen Nachmittag nach 24 Std bei Sonnenschein und etwas Wind in Dunkerque in Frankreich ein.
Das Tiefdruckgebiet ist zwischenzeitlich angekommen und es pfeift im Hafen mit bis zu 25 kn Wind. FantaSea liegt fest vertäut im Hafen. Udo hat die Heimreise angetreten und ich warte auf besseres Wetter und meine nächste Crew, Anja und Nico.
Tourdaten
Start: Cuxhaven
Ziel: Dunkerque
Distanz: 369 NM
Segelzeit: 6 Tage
Gesamtzeit: 8 Tage
Max. Windstärke: 6 BF